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Umbrella Kid
Mit den derzeitigen Arbeiten suche ich weiterhin nach bildnerischen Möglichkeiten, die Gleichzeitigkeit der Ansichten und Bedeutungsebenen eines Dinges darzustellen. Dieser einem Ding innewohnenden Gleichzeitigkeit versuche ich mit anderen bildnerischen Mitteln als nur der Malerei zu begegnen. Was vordergründig wie ein Bruch mit meiner bisherigen Arbeitsweise aussieht, ist in Wirklichkeit eine Weiterentwicklung und Rückbestätigung des Vorhergegangenen. Unter dem Arbeitstitel "Umbrella Kid" habe ich ein von mir eingescanntes, 38 Jahre altes Schwarzweißfoto überarbeitet, verfremdet, auseinanderdividiert, vervielfältigt, vergrößert und verkleinert, eingefärbt … das ursprünglich mich als Dreijährige mit einem schwarzen Regenschirm in einer Ostsee-Dünenlandschaft zeigt. Die Ergebnisse meiner gestalterischen Eingriffe habe ich als Fragmente u. a. auf Pergamentpapier produziert (und vervielfältigt), welches wiederum in mehrfacher Schichtung auf bemalten Holztafeln appliziert wurde. Darauf folgten weitere Übermalungen und Manipulationen.
Das Resultat ist eine Verquickung sehr zurückgenommener Farbflächenmalerei mit experimenteller digitaler Bearbeitung alten Fotomaterials. Auf diese Weise entsteht eine Art Zeitschleife, die ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit rotiert und diese im Bild zeitlich sowie räumlich auf eine Ebene bringt. Das Bild an sich wirkt wiederum scheinbar abstrakt - manche Bildzeichen bewirken in ihrer stereotypen Wiederholung und Anordnung eine Art Muster im Bild, hinter deren Fassade sich die Gleichzeitigkeit vieler semantischer und formaler Ebenen verbirgt. Dies wird besonders dort deutlich, wo Datenauszüge aus dem Quelltext dieses Fotos dem Kontext ihrer Programmiersemantik entrissen sind und als autonome formale Momente im Bild auftauchen. Ähnlich verhält es sich mit den verfremdeten Fotofragmenten, die als Bildzeichen inmitten der Malerei eine neue Bestimmung erhalten und dennoch schemenhaft auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückverweisen.
Sabine Wenig
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